Investieren in Zeiten von COVID-19

01.04.2020

So, da stecken wir also mitten drin im grössten Schlamassel seit Jahrzehnten. Im Stil einer Generalmobilmachung hat unser Land zur Verteidigung gegen einen hinterlistigen Feind mobil gemacht, gegen einen Feind, der es auf die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft abgesehen hat, die gesundheitlich angeschlagenen Alten.

Während mir der Schutz der Benachteiligten in einer Gesellschaft sehr am Herzen liegt, bin ich etwas nachlässiger, wenn es um den Schutz der Alten geht. Alt werden – ich werde bald 69 Jahre alt – gehört nun mal zum Leben, und dass wir irgendwann sterben, gehört auch dazu. Das soll nicht zu früh sein – ich möchte noch etwa 24 Jahre weitermachen – aber irgendwann ist mal Schluss.

Aber so sieht das jetzt aus: Das ganze Land im Stillstand, damit sich niemand mehr anstecken kann mit dem heimtückischen Virus, das nicht Kinder belästigt, und auch nicht die arbeitende Bevölkerung, sondern ausgerechnet Senioren mit schlechter Gesundheit. Die Opfer sind gewaltig. 500 Millionen pro Tag, in der Schweiz allein? Vielleicht. Existenzen werden zerstört, Verluste eingefahren, Schuldenberge aufgehäuft, Konkurse vorbereitet, Kurzarbeit eingeführt.

In der Schweiz allein Milliardenverluste gegen bis jetzt 420 Verstorbene. Jeder Mensch ist unersetzlich, aber die Opfer, die sich der Staat nun für die Sicherheit unserer Alten abringt, kann er sich nicht leisten. Und Sterben gehört nun mal zum Leben, das können wir nicht aufhalten.

Was das alles mit Investieren zu tun hat? Viel, natürlich. Damit meine ich nicht, dass die Aktienkurse in einem Monat 20 oder 30 Prozent gefallen sind. So eine Korrektur war längst überfällig. Weit mehr hat diese Situation mit der Zukunft zu tun, und die Nachwirkungen des Frühjahrs 2020 werden viele Menschen und viele Firmen noch Jahre spüren. Wenn wir langfristig investieren, müssen wir also in Firmen investieren, welche eine Chance haben, derartige Stress-Situationen zu überleben und idealerweise gestärkt daraus hervorzugehen. Das dürften grosse, international gut vernetzte Firmen sein, welche seit Jahren steigende Dividenden ausbezahlen.

Schauen wir uns mal die Firmen in unserem Echtgeld-Depot an: Nestle, Roche, Swiss Re, Geberit, Zurich Insurance, Apple, 3M, SAP, Givaudan. Ziemlich gut aufgestellt mit dieser Auswahl, finde ich. So hat das Depot in dieser scharfen Korrektur auch nicht stark gelitten: Es liegt, unter Berücksichtigung aller Kosten und Dividenden seit Auflegung noch 7% im Plus. Natürlich ist das viel weniger als vor sechs Wochen, aber wir liegen immer noch im positiven Bereich, und wir haben die Chance, dass die Kurse wieder steigen.

Allerdings ist meine Hoffnung auf bald wieder steigende Kurse klein. Zuerst müssen mal die wirtschaftlichen Schäden unserer Schockstarre überwunden werden. Je länger diese Schockstarre dauert, desto länger wird es dauern, bis die Schäden repariert sind. Mittel- bis langfristig ändert sich aber am Investieren in Aktien nicht viel. Das ist nicht die erste Preiskorrektur, und ganz bestimmt auch nicht die letzte. Es kann sogar mit den Kursen nochmals 30% oder 40% weiter runter gehen, damit es wirklich schmerzt und keine Mensch mehr Aktien kaufen will – bevor es wieder aufwärts geht.

Nun, Schockstarre hin oder mehr, es ist Zeit, wieder etwas zu investieren. Auf dem Konto liegen 3265 Franken. Das reicht exakt für 6 Aktien von Swisscom zum jetzigen Preis von 524 Franken. Verlockend. Stabile Dividende seit vielen Jahren. Gut verankert in der Schweiz, etwas in Italien, 5G-Phantasien, und jetzt, wo alle auf Home Office umsteigen, ist die Firma wohl bestens auf die Zukunft vorbereitet.

Und dann gibt’s seit einiger Zeit noch eine familiäre Beziehung zur Swisscom: Einer unserer Söhne arbeitet in einem Call Center der Swisscom. Also, der Auftrag ist platziert … und ausgeführt.

Neu gibt es auch eine Excel-Auswertung zum Echtgeld-Depot. Damit lässt sich die Gesamt-Performance besser darstellen als mit einem simplen Depotauszug.

Erneuerbare Energie kann auch für Investoren rentabel sein

06.02.2020

Beim Investieren habe ich mich längst von Erdöl, Erdgas, Kohle und Nuklearenergie verabschiedet. Firmen, welche auf Wind, Sonne, Erdwärme und Wasserkraft setzen, sind mir viel sympathischer. Aber «sympathisch» bedeutet beim Investieren nicht gleich profitabel, oder sinnvoll. Sympathie kann vielleicht ausmachen, welche Sektoren oder welche Firmen wir uns genauer anschauen sollen. 

Also schauen wir uns mal eine Liste von Firmen an, welche im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv sind, und welche – sympathisch – erst noch eine Dividende zahlen. Ich komme immerhin auf zwölf Firmen, und ich bin mir sicher, die Liste ist nicht vollständig. Sondern meine sehr subjektive Auswahl.

Börsengehandelte Firmen mit Fokus auf erneuerbare Energien

Firma

Symbol

Land

Fokus auf

Aktiv seit

Dividenden-rendite

Boralex

Präsentation

BLX.TO

Kanada

Wind, Solar, Wasserkraft, Biomasse

1995

2.3%

Innergex Renewables

Präsentation

INE.TO

Kanada

Wasserkraft, Wind, Solar

1990

3.7%

Northland Power

Präsentation

NPI.TO

Kanada

Wind, Solar, Erdgas 

1987

4.0%

TransAlta Renewables

Präsentation

RNW.TO

Kanada

Wasserkraft, Wind, Solar, Erdgas

2013

5.5%

Atlantica Yield

Präsentation

AY

USA

Solar, Wind, Erdgas,
Wasserentsalzung

2013

4.2%

Ormat Techologies

Präsentation

ORA

USA

Erdwärme

1965

0.5%

Hannon Armstrong Sustainable Infrastructure

Präsentation

HASI

USA

Investition in Firmen und Projekte mit Fokus auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien

1981

3.8%

Edisun Power

Präsentation

ESUN.SW

Schweiz

Solar

1997

0.7%

Gurit Holding

Präsentation

GUR.SW

Schweiz

Zulieferer für Bau von Windgeneratoren

2000

(1835)

1.3%

Ørsted

Präsentation

ORSTED.CO

Dänemark

Betrieb von Offshore-Windparks

2006

1.3%

Vestas Wind Systems

Präsentation

VWS.DE

Dänemark

Bau und Unterhalt von Windgeneratoren

1979

1.1%

Infigen Energy

Präsentation

IFN.AX

Australien

Wind, Gas-Backup

2003

2.5%

 

Interessanterweise finden sich hier vier kanadische Firmen. Auch bemerkenswert: aus Dänemark zwei enorm wichtige Firmen. Die Schweiz? Zwei kleine Firmen.

Bei vier Firmen habe ich vermerkt, dass sie auch auf Erdgas-Kraftwerke setzen. Dabei habe ich eingangs geschrieben, dass ich mich längst von fossiler Energie verabschiedet habe. Wie soll das zugehen?

Alle vier Firmen verwenden diese Technologie als Fallback, wenn Sonne oder Wind streiken. Der grösste Teil der von diesen Firmen produzierten Energie stammt aus erneuerbaren Energien. Auffallend ist auch, dass diese Firmen fast nur noch neue Projekte mit Erneuerbaren in der Pipeline haben. Also, hier zeige ich mich etwas kompromissbereit. Wen das stört, der hält sich an die restlichen acht Firmen.

So weit, so gut. Hätte sich eine Investition vor fünf Jahren in diese Firmen gelohnt? Obwohl mir die Dividenden wichtig sind, bin ich jetzt einfach mal zu bequem, mir alle Zahlen zusammenzusuchen. Ich schaue mir einzig die Entwicklung der Kurse an in den letzten fünf Jahren an, um die Frage zu beantworten. Die Dividenden wären dann einfach noch der Bonus… 

Kurse in Lokalwährung

Firma

Symbol

Kurs
1. März 2015

Kurs
5. Februar 2020

Kursgewinn

KGV

zurück/vorwärts

Boralex

BLX.TO

13.28

28.08

111%

xx/85

Innergex Renewables

INE.TO

11.20

18.90

69%

91/72

Northland Power

NPI.TO

17.31

28.89

67%

18/15

TransAlta Renewables

RNW.TO

12.55

16.97

35%

20/21

Atlantica Yield

AY

32.78

28.73

-12%

xx/26

Ormat Techologies

ORA

38.02

86.24

127%

46/39

Hannon Armstrong

HASI

18.28

35.15

92%

50/25

Edisun Power

ESUN.SW

30.37

134.00

341%

21/xx

Gurit Holding

GUR.SW

425.25

1530.00

260%

35/xx

Ørsted

ORSTED.CO

(*)235.00

711.80

203%

46/44

Vestas Wind Systems

VWS.CO

287.90

717.80

149%

30/24

Infigen Energy

IFN.AX

0.27

6.95

157%

16/17

(*) Kurs vom 1.6.2016. Die Aktien wurden vorher unter dem Namen Dong Energy gehandelt. 

Durchschnittlich haben diese Aktien in fünf Jahren in Lokalwährungen 133% zugelegt. Dann kämen noch einige Dividenden dazu. Jährlich ergab sich für ein Portfolio aus diesen Aktien ein Kursgewinn in der Grössenordnung von 18%. 18 Prozent pro Jahr: davon träumen die meisten Investoren. Und dann  kamen noch die Dividenden hinzu.

Gut, in die Vergangenheit lässt sich nicht mehr investieren. Dafür in die Zukunft. Frage dich also selbst, lieber Leser: 

  • Was hat sich global in den letzten fünf Jahren geändert in Sachen erneuerbare Energien? 
  • Werden Menschen, Firmen, Regierungen weiterhin motiviert sein, mehr und mehr erneuerbare Energien einzusetzen? Eher mehr, eher weniger?
  • Welche besseren Alternativen zu erneuerbaren Energien gibt es?
  • Was passiert mit Nuklearenergie und Erdöl, wenn Energie aus Wind und Sonne billiger ist?
  • Was muss noch geschehen, bis ich auch beim Investieren auf erneuerbare Energie setze?

Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Es wäre schön, wenn man nun einfach eine nach der anderen diese Firmen kaufen könnte, um in Zukunft von weiteren Gewinnen profitieren zu können. Leider ist das, wie ein Blick in die Spalte KGV zeigt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einiger dieser Aktien bewegt sich in schwindelerregender Höhe.

Für einen möglichen Gewinn von einem kanadischem Dollar (CAD) muss ich z.B. im Fall von Innergex 72 CAD hinblättern. Wenn man auf dieser Seite genauer hinschaut, sieht man auch, dass der Gewinn pro Aktie im letzten Jahr 0.20 CAD betrug, während die Ausschüttung pro Aktie bei 0.70 CAD lag. Wie auch immer die Buchhaltung gemacht wird – irgendwann muss die Dividende pro Aktie unter den Gewinn pro Aktie zu liegen kommen. Sonst ist das Ganze so wenig nachhaltig wie ein Kohlekraftwerk…

Auch in einem überbewerteten Aktienmarkt, wie wir ihn derzeit (Februar 2020) haben, sollten wir nicht zu viel bezahlen für die Aktie von Firmen, in die wir gerne investieren möchten, und die uns «sympathisch» sind. 

An dieser Stelle habe ich beim Schreiben eine Pause eingelegt und mich mit anderen Dingen beschäftigt. Zurück am Computer lese ich dann die folgende Nachricht. Gutes Timing, muss ich sagen. Fragt sich nur: von mir, oder von Hydro-Québec? Anyway:

Hydro-Québec to take 20% stake in Innergex Renewable

(Reuters)

February 6, 2020

(Reuters) - Innergex Renewable Energy Inc <INE.TO> said on Thursday Hydro-Québec, one of the world's largest hydropower producers, will invest about C$661 million ($497 million) for a nearly 20% stake.

 

The two companies plan to invest in wind and solar projects with battery storage or transmission, distributed generation, off-grid renewable energy networks, and other sectors.

Hydro-Québec will buy 34.6 million common shares of Innergex at C$19.08 per share in a private placement. Shares of Innergex rose 8.5% in morning trade to C$20.50.

Under the deal terms, Hydro-Québec has initially committed $500 million to develop power projects with Innergex.

Innergex expects to use about $50 million from the private placement to fund the development of its 200 MW Hillcrest solar photovoltaic project in Brown County, Ohio.

Hydro-Québec will nominate two candidates to its Innergex board as long as it owns at least 15% of the outstanding Innergex common shares, Innergex said.

 

Also, einer der grössten Wasserkraft-Produzenten Kanadas kauft sich 20% von Innergex zum Preis von 19.08 CAD pro Aktie. Offensichtlich finden hier Profis, welche das Energiegeschäft besser kennen als es je ein Aussenstehender wie ich es kennen kann den Preis ganz in Ordnung. Das sollte ja, trotz des hohen KGVs, Mut machen.

 

Ohne übertriebene Vorsicht haben darum weitere Käufer heute den Kurs von Innergex auf 21.05 CAD hochgetrieben. 11.3% höher als gestern. Mir soll’s recht sein. Meine paar Innergex-Aktien haben mir heute grosse Freude gemacht.

David Fish, Justin Law und ihre Liste der Dividenden-Champions

09.07.2019

(Diese ist die aktuelle Überarbeitung eines Artikels vom September 2014)

 

Die „Homepage“ www.dripinvesting.org  kommt optisch daher wie ein Relikt aus der Zeit vor der Dotcom-Blase, als das Internet noch jung war. Drum schnell weitergeklickt auf die Seite, welche uns interessiert: Info/Tools/Forms.

David Fish war ein US-amerikanischer Fondsmanager und Spezialist für Aktien, welche langjährig Dividenden ausschütten. Und, vor allem für individuelle Investoren wichtig, er pflegte eine umfangreiche Excel-Arbeitsmappe mit vielen Informationen über die Dividenden-Champions auf dem amerikanischen Aktienmarkt. Seit seinem Tod im Frühjahr 2018 wird die Arbeit von Justin Law weitergeführt.

Die Excel-Arbeitsmappe enthält Listen über drei Arten von Firmen:  

  • Challengers (Herausforderer): Firmen, welche die Dividenden die letzten 5 bis 9 Jahre jährlich erhöht haben. Aktuell 517 Aktien
  • Contenders (Rivalen): Firmen, welche die letzten 10 bis 24 Jahre jährlich die Dividenden erhöht haben. Aktuell 233 Firmen
  • Champions: Jene Firmen, welche in den letzten 25 Jahren jährlich die Dividenden erhöht haben. Das sind aktuell 136Firmen.

Die jeweils aktuelle Version der Datei können Sie hier herunterladen: https://www.dripinvesting.org/tools/tools.asp

Halten wir uns das mal vor Augen, was das bedeutet, wenn eine Firma 25 oder mehr Jahre hintereinander die Dividenden erhöht. Was kann man über eine solche Firma sagen? Einige Punkte: 

  • Die Firma schafft es, über einen langen Zeitraum zu wachsen
  • Die Firma arbeitet über einen langen Zeitraum profitabel
  • Das Management bekennt sich zu einer aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik.
  • Die Firma hat lange Erfahrung im Umgang mit der Konkurrenz, mit Krisen, Kriegen, Depressionen, Rezessionen
  • Die Firma hat es erfolgreich geschafft, sich an veränderte Umfelder anzupassen und innovativ oder mindestens attraktiv zu bleiben.
  • Das Management einer solchen Firma wird alles unternehmen, um zu verhindern, dass die Serie von Dividendenerhöhungen abbricht – es braucht Jahrzehnte harter Arbeit, um diesen Status wieder aufzubauen.

Wenn wir uns einige Namen jener Firmen mit der längsten Geschichte von stetig steigenden Dividenden anschauen, treffen wir viele Bekannte an: 

Firma
Symbol
Jahre mit Dividenden- Erhöhung
Industrie
Aktuelle Rendite
Procter & Gamble
PG
65
Haushaltsprodukte
2.72%
3M
MMM
61
Konglomerat
3.32%
Coca-Cola
KO
57
Nicht-alkoholische Getränke
3.13%
Johnson & Johnson
JNJ
57
Pharma/Haushaltsprod.
2.73%
Colgate-Palmolive
CL
56
Kosmetik
2.40
Stanley Black & Decker
SWK
52
Werkzeuge/Sicherheit
1.83
VF Corporation
VFC
46
Bekleidung
2.34
AT&T
T
35
Telekom
6.09

 

Die Aufstellung zeigt, dass es Firmen aus verschiedensten Branchen in diesen Kreis der langfristig Erfolgreichen geschafft haben. Unter den weiteren, zum Teil kaum bekannten Namen findet man auch Versicherungen (Aflac, 31 Jahre), Banken (Commerce Bancshares, 46! Jahre), REITs (FRT, 47 Jahre), Restaurantketten (McDonald’s, 38 Jahre) und Firmen aus allen möglichen Branchen. 

Wenn man denn schon in Banken investieren will...

19.09.2016

Vermutlich bin ich völlig naiv. Ich denke, die Leute, die in Banken arbeiten, müssen wissen, wie man mit Geld umgeht. Schliesslich ist der Umgang mit Geld das Kerngeschäft einer Bank, und Bankangestellte haben den lieben langen Arbeitsalltag nichts anders zu tun, als sich mit Geld abzugeben. Mit dem Geld anderer, dann noch.

Wenn man seinen Beruf als Bankier ja richtig ausführt, lernt man doch, wie man selbst reich wird, und wie man eine Firma finanziell erfolgreich führen kann. Da stelle ich mir naiverweise vor, dass eine Bank doch eine gewinnbringende Angelegenheit sein sollte – aus was für einem Grund sollte man denn sonst eine Bank betreiben? Eine Bank ist ja keine Non-Profit-Organisation, sondern knallhartes Business. Und da viele Banken Aktiengesellschaften sind, müsste ich mich als Aktionär doch an diesen lukrativen Firmen beteiligen können, damit ich via Dividenden und Kursgewinnen an den Gewinnen dieser Banken beteiligt bin.

Wenn ich mir die Geschäftszahlen der Schweizer Grossbanken und ihre Aktienkurse anschaue, dann sehe ich zwar, dass die Banken gelegentlich schöne Gewinne einfahren, aber gelegentlich ebenso gewaltige Verluste verzeichnen. Kein ausgewogenes Bild beim Betriebsergebnis, und damit keine erfreuliche Entwicklung bei den Aktienkursen. Von den Dividenden(renditen) ganz zu schweigen. Irgendetwas stimmt da nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, dies im Detail aufzuzählen, doch in den letzten zehn Jahren ist wohl dem hintersten Hinterbänkler klar geworden, gegen wie viele Probleme «unsere» Schweizer Banken zu kämpfen haben. Da reicht es, wenn ich mir die Aktienkurse der letzten Jahre anschaue, um zu wissen, dass ich da auf keinen Fall mit involviert sein will.

 

In einem Zeitraum von 26 Jahren (!) haben sich die Kurse aller drei Schweizer Grossbanken derart schlecht entwickelt, dass die aktuellen Kurse immer noch unter den Kursen von damals liegen. Bei zwei von drei Banken 50% darunter! Solche Verluste können in keinem Portfolio wieder gutgemacht werden. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum hat der SMI, in dem alle diese drei Katastrophenfirmen mit vertreten sind, um über 350% zugelegt. Da ist ganz grundsätzlich etwas schiefgelaufen. Natürlich haben wir alle die eine oder andere einleuchtende Erklärung, aber Schweizer Bankaktien waren im letzten Vierteljahrhundert gewiss keine gute Investition. Und leider wüsste ich zurzeit beim besten Willen nicht, weshalb sich das bald ändern sollte.

Es geht abwärts - was tun?

06.02.2016

Das Jahr hat für alle, die mit Aktien zu tun haben, miserabel angefangen. Alle Indizes liegen im Minus, der SMI hat allein seit Jahresanfang 10 Prozent verloren, und er liegt bereits mehr als 15 Prozent unter dem Höchststand des letzten Jahres. Damit steht der Index fast genau wieder dort, wo er vor zehn Jahren, 2006, gestanden hat. Mist!

 

Und die nähere Zukunft schaut alles andere als toll aus: China sorgt für genug Aufregung an den Märkten, wir haben einen Ölpreis, der fast täglich munter weiter kollabiert und für Ratlosigkeit sorgt, die Lage im Mittleren Osten ist instabil wie schon Jahre nicht mehr, und den grossen Firmen scheint es kaum mehr zu gelingen, ihre Gewinn zu steigern. Und nach wie vor tricksen die Notenbanken von immer mehr Ländern in immer grösserem Stil mit ihrer Währungen, manipulieren die Geldmenge, die Zinsen, die Kurse. Wie soll es da an den Aktienmärkten aufwärts gehen?

Ich habe keine Ahnung, ebenso wenig wie alle anderen Marktbeobachter und -Teilnehmer. Es ist gut möglich, dass die Märkte noch weiter fallen – viele erwarten es geradezu. Andere sprechen von einer vorübergehenden Korrektur und erwarten für dieses Jahr keine besonders schlimmen Abstürze. Wer hat Recht? In einem Jahr wissen wir es.

Was tun? 

  • Einen kühlen Kopf bewahren. 
  • Wer einen Plan dafür hat, wie er Geld in Aktien investieren will, muss strikt bei seinem Plan bleiben. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien gekauft werden, so sollten jetzt gemäss den vorher definierten Kriterien Aktien gekauft werden. Wenn der Plan vorsieht, dass bei fallenden Kursen Aktien verkauft werden, dann, hmm, ist das vielleicht ein schlechter Plan, aber es ist besser, dem Plan zu folgen und die Aktien zu verkaufen, notfalls mit Verlust. 
  • Wer keinen Plan dafür hat, wie er sein Geld in Aktien investiert, befindet sich nun in einer üblen Lage. Da er sich nie mit kühlem Kopf überlegt hat, was er in einer Situation, wie wir sie jetzt haben, tun soll, ist guter Rat teuer. Vielleicht wäre es an der Zeit, abzuspringen, das heisst, alles zu verkaufen und später wieder einzusteigen. Aber zuerst sollte sich so ein Investor, oder besser, so ein Spekulant, sich erst mal einen Plan zurecht zu legen, der nicht nur schönwettertauglich ist, bevor er wieder einzusteigt.

Planen für die nächsten Monate. 

Als dividendenorientierter Investor bin ich an den Kursen „meiner“ Aktien zwar interessiert, aber mehr noch an den Dividenden, welche ich erhalte. 

In den letzten Wochen haben bereits mehrere Firmen aus meinem Portfolio die Dividende erhöht. Dies ist das Signal, welches mir wichtig ist. Der Kurs der Aktien mag fallen, aber mein Einkommensstrom ist am Wachsen. 

Wenn ich diese Dividenden reinvestiere, ist es für mich sogar von grossem Vorteil, wenn die Kurse nicht steigen, sondern gar fallen. Für das gleiche Geld kann ich mir mehr Aktien kaufen. Nehmen wir Omega Healthcare Investors (OHI) als Beispiel.

Ich besitze 2000 Aktien von OHI. Das gibt bei einer Dividende von 56 Cents (pro Quartal) eine Dividende von 1120 USD. Nun wurde die Dividende um einen Cent auf 57 Cents erhöht, sodass ich nun 1140 USD erhalten werde. 

Bei einem Kurs von  (heute) USD 31.65 kann ich mir nun 36 Aktien kaufen. Fällt der Kurs auf 30, sind es 38 neue Aktien, steigt der Kurs auf 33.00, so sind es nur noch 34 neue Aktien, die ich mir aus den Dividenden kaufen kann. Ich bin also nicht wirklich daran interessiert, dass der Kurs steigt. Denn mit den Jahren kann es für mein Einkommen aus Dividenden ganz interessant werden, wenn der Kurs einer Aktie NICHT steigt, sondern fällt. 

Das ist völlig gegen jede Intuition – aber man kann es leicht nachrechnen. Schauen wir uns das Beispiel mit OHI über fünf Jahre an. 

Erste Annahme: Der Kurs bleibt über die ganzen fünf Jahre gleich, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht. (Das ist weniger als der tatsächliche Wert der Erhöhungen der letzten Jahre.)

Im fünften Jahr erhalte ich eine Dividendenzahlung, welche um 75% grösser ist als anfänglich. Und das nur, weil ich alle erhaltenen Dividenden wieder investiert habe. Aus meinen 2000 Aktien sind 2720 Aktien geworden. Nicht schlecht.

Zweite Annahme: Der Kurs fällt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

 

Mein Einkommen aus Dividenden beträgt nach fünf Jahren mehr als bei der ersten Annahme, weil ich wegen des tieferen Aktienkurses mehr Aktien kaufen konnte. Tatsächlich ist aber auch der Wert meiner Anlage gestiegen, indem ich die Dividenden reinvestiert habe. Ich habe nun 2837 Aktien, welche knapp 78‘000 USD wert sind, gegenüber den anfangs 2000 Aktien im Wert von 63‘300 USD. Und das trotz fallender Kurse während der ganzen Zeit.

Dritte Annahme: Der Kurs steigt über die fünf Jahre jährlich um 5%, die Dividende wird jährlich um 7% erhöht.

 

Leider vermindern die steigenden Kurse mein Einkommen aus den Dividenden. Ich habe zwar bei der optimistischen Variante ein viel höheres Vermögen, aber das Einkommen ist deutlich tiefer als mit den beiden anderen, pessimistischeren Annahmen. 

Spätestens jetzt ist klar, dass es nicht zu meinem Plan gehören kann, dass die Aktienkurse möglichst stark steigen. Mittelfristig werde ich besser fahren, wenn die Kurse nicht nur steigen, sondern zwischendurch auch mal kräftig fallen. 

Gerade im Hinblick auf die laufende Jahresberichterstattung und die Dividendenzahlungen im Frühjahr kann ich als dividendenorientierter Anleger davon profitieren, wenn die Kurse an den Börsen noch weiter nachgeben. 

Damit dies funktioniert, bin ich natürlich darauf angewiesen, dass die Firmen auch in schwierigeren Zeiten ihre Dividenden weiter verlässlich bezahlen. Während es dafür natürlich keine Garantie gibt, sind die Dividenden grosser Firmen nicht so krassen Bewegungen unterworfen wie die Aktienkurse. Hat eine Firma einmal damit begonnen, eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik zu betreiben, wird sie sich davor hüten, ohne Zwang von dieser Politik wieder abzurücken – sie würde blitzartig vom Markt abgestraft. Es gibt also so etwas wie ein Gewohnheitsrecht: Als Aktionär kann ich erwarten, dass die Dividenden in schlechten Jahren konstant bleiben und in guten Jahren erhöht werden. 

Da ich vor allem an einem wachsenden Einkommen aus Dividenden interessiert bin, kann ich mit der laufenden Korrektur ganz gut leben. Die Dividenden werden mit dem erwirtschafteten Gewinn bezahlt, und der ist in den wenigsten Fällen abhängig vom Aktienkurs. Der Gewinn wurde im letzten Jahr erwirtschaftet und wird nicht kleiner, wenn der Aktienkurs in diesem Jahr fällt. Die Höhe der gesprochenen Dividende wird auch vom Ausblick der Firmenverantwortlichen auf die Zukunft beeinflusst, und da werden wir wohl Dividendenerhöhungen am untersten Ende der Skala zu erwarten haben. So geschehen zum Beispiel bei Roche: von 8 Franken auf 8.10 ist nicht berauschend. 

Auch wenn es für dieses Jahr bei den bereits angekündigten Dividendenerhöhungen bleiben sollte, unterbricht dies die Zunahme des Einkommens aus Dividenden nicht: Mit den erhaltenen Dividenden werden, unabhängig vom aktuellen Aktienkurs, weitere Aktien gekauft, und spätestens in einem Jahr werfen diese neuen Aktien ihrerseits wieder Dividenden ab. Und diese werden wieder investiert, und so steigt das Einkommen Jahr für Jahr. 

Als weitere Massnahme habe ich in den vergangenen Wochen einige wenige Short-Mini-Futures auf den SMI und auf den S&P500-Index gekauft. Ich habe vor, da noch etwas aufzustocken, um meinen Barbestand zu erhöhen, falls die Kurse noch weiter sinken. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz meiner Strategie.

Und irgendwann geht diese Korrektur vorbei, und die nächste Börsenparty beginnt und die Kurse steigen wieder. Aber wann das ist, weiss ich nicht. Es kann in diesem Jahr sein, oder im nächsten, oder erst in einigen Jahren. Aber Dividenden werden weiter bezahlt werden, solange Firmen Gewinne schreiben. 

Warum es in diesem Blog plötzlich so ruhig ist

27.11.2015

Das ist schnell erklärt: Seit Monaten bin ich zusammen mit meiner Frau in Griechenland. (Mehr dazu auf www.odyssia15.gr) Sozusagen aus der Ferne bekomme ich zwar mit, was an den Aktienmärkten los ist, worüber „man“ sich an der Börse Sorgen macht (Alle Themen wie China, Griechenland, Terrorismus, Ölpreis, starker Franken oder starker Dollar, je nach Standort des Autors, schwindende Unternehmensgewinne, VW- und FIFA-Skandale, alles ist vertreten). Aber oft erfahre ich erst nach einer schönen Wanderung von den neuesten Problemen, oder verpasste einen miesen Börsentag mit Sünnele am Strand und Schwimmen im klaren Wasser… Kein wirkliches Problem, finde ich. Ich beobachte oft, wie es um die Dividenden „meiner“ Firmen steht. Da heisst es nichts als: smooth sailing. Gerade jetzt, wo wir kein Einkommen aus aktiver Arbeit, wegen der Reise aber erhöhte Ausgaben haben, soll da nichts aus dem Ruder laufen.

Wer dividendenorientiert investiert, braucht sich wegen des Auf und Ab an den Märkten keine grauen Haare wachsen lassen. Fallen die Aktienkurse, können dividendenstarke Aktien zu einem günstigeren Preis gekauft werden. Ich habe in den letzten Monaten bei vier bestehenden Positionen unseres eigenen Depots weiter zugekauft (Zurich Insurance Group, Swisscom, BB Biotech, Omega Healthcare Investors), habe eine kleine Anzahl Aktien der Firma Textainer Group Holding gekauft, als die Dividendenrendite bei über 10% lag, (Das war, bevor die Firma ankündigte, die Dividende zu halbieren - auch das kommt vor!) Vor allem aber freute ich mich über diverse Dividendenerhöhungen, welche von amerikanischen Firmen in unserem Depot angekündigt wurden. Dies ist quasi geschenktes Geld, da damit das Bächlein der ständig hereinfliessenden Dividenden an Stärke zunimmt – ohne dass ich mir viel Gedanken darüber machen muss.

Dank solcher Zukäufe und den angekündigten Dividendenerhöhungen hat sich der voraussichtliche Betrag, den wir an Dividenden in Zukunft erwarten können, in der ersten zehn Monaten dieses Jahres um sieben Prozent erhöht. Das ist beachtlich! Trotz aller Stürme an den Märkten und aller schlechter Nachrichten nehmen die Dividenden zu.

Aus diesem Grund ist es hier so ruhig. Weil ich eine andere Investitions-Strategie verfolge als kurzfristig orientierte Trader. Das Muster-Portfolio 1 zeigt, dass man mit einem Aktiendepot, welches auf stabile Dividenden hin angelegt wird, auch in stürmischen Zeiten gut fährt. 

Zinseszins: Der Freund des Langzeit-Investors

12.04.2015

Wie schon andernorts auf dieser Website beschrieben, ist der Effekt des Zinseszinses gewaltig. Wie gewaltig, das kann man sich schlecht vorstellen, aber ganz gut anhand von Beispielen sich vor Augen führen.

Die meisten Investoren, die an der Börse aktiv sind, versuchen mit geschickten Trades ihr Kapital möglichst schnell zu vermehren. Dieser Ansatz ist risikoreich, ungewiss und in der Regel nur mässig erfolgreich. Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten Investoren (dieser Autor inbegriffen) viele weniger Rendite erwirtschaften als möglich wäre – und das erst noch mit weniger Nervenkrieg. Das ganze Geheimnis beim Investieren besteht darin, die Zeit für sich arbeiten zu lassen.

Anhand einer Excel-Tabelle habe ich die Performance der Nestle-Aktie und der Dividenden seit 1959 untersucht und berechnet, wie sich eine Anlage in Nestle seit 1960 bis heute, also über 55 Jahre,  entwickelt hat. Das Ergebnis ist ziemlich berauschend.

Datum  Kurs  Dividende 
31.12.1959    1.36  0.023
31.12.2014  72.95 2.20 
Ø Wachstum pro Jahr   7.51% 8.65% 

 

Von Anfang 1960 ist der Kurs der Nestle-Aktie von 1.36 bis Ende 2014 auf 72.95 gestiegen, was einer Verzinsung von 7.51% entspricht. Ähnlich die Dividenden: von 2.3 Rappen auf 2.2 Franken, bei einer Verzinsung von 8.65%. Hätten Sie Anfangs 1960 1000 Franken in Nestle-Aktien investiert, sähe damit Ende 2014 das Ergebnis so aus:

735 Aktien zu 72.95 im Gesamtwert von    53'618.25
Total Dividenden in 55 Jahren:   18'370.59
Aktuelle Dividendenrendite    161.7%
 

Das heisst also, Sie erhalten jetzt jährlich viel mehr Geld als Dividende ausbezahlt, als Sie 1960 einmalig investiert haben. Das seit dem 49. Jahr der Anlage übrigens, also seit 2008. Und voraussichtlich bis zu Ihrem Tod werden Sie jedes Jahr eine Dividende erhalten, die 8.65% höher ist als die vorangegangene. Und wenn Ihre Erben verstehen, welchen Schatz sie mit diesen Aktien geerbt haben und diese nicht gleich verkaufen, werden diese weiterhin jedes Jahr höhere Dividenden erhalten.

Diese Rechnung zeigt aber nicht einmal die halbe Geschichte. Es kommt noch VIEL besser. Etwa vier mal besser, genaugenommen.

Im Beispiel oben sind wir davon ausgegangen, dass die Dividenden einfach in Empfang genommen und nicht weiter berücksichtig werden. Was passiert aber, wenn wir mit den Dividenden wieder Aktien kaufen? Das Ergebnis ist unglaublich:

3020 Aktien zu 72.95 im Gesamtwert von        220'309.00
Total Dividenden in 55 Jahren:      59'851.75
Letzte Dividendenzahlung 6'644.00
Aktuelle Dividendenrendite     664.4%
 

Vermutlich geht es Ihnen ähnlich wie mir: Sie oder Ihre Eltern haben 1960 nicht in Nestle-Aktien investiert, und Sie haben nichts vom ganz ganzen Segen. Und vermutlich bleiben Ihnen auch nicht mehr 55 Jahre, um ein Vermögen aufzubauen. Also müssen wir schauen, wie die Rechnung mit kürzeren Zeiträumen ausschaut. Und vor allem, wie das in Zukunft ausschauen kann. Dabei ist es wichtig, daran zu erinnern, dass frühere Performance keine Garantie für die zukünftige Entwicklung ist.