Investieren in Zeiten von COVID-19

01.04.2020

So, da stecken wir also mitten drin im grössten Schlamassel seit Jahrzehnten. Im Stil einer Generalmobilmachung hat unser Land zur Verteidigung gegen einen hinterlistigen Feind mobil gemacht, gegen einen Feind, der es auf die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft abgesehen hat, die gesundheitlich angeschlagenen Alten.

Während mir der Schutz der Benachteiligten in einer Gesellschaft sehr am Herzen liegt, bin ich etwas nachlässiger, wenn es um den Schutz der Alten geht. Alt werden – ich werde bald 69 Jahre alt – gehört nun mal zum Leben, und dass wir irgendwann sterben, gehört auch dazu. Das soll nicht zu früh sein – ich möchte noch etwa 24 Jahre weitermachen – aber irgendwann ist mal Schluss.

Aber so sieht das jetzt aus: Das ganze Land im Stillstand, damit sich niemand mehr anstecken kann mit dem heimtückischen Virus, das nicht Kinder belästigt, und auch nicht die arbeitende Bevölkerung, sondern ausgerechnet Senioren mit schlechter Gesundheit. Die Opfer sind gewaltig. 500 Millionen pro Tag, in der Schweiz allein? Vielleicht. Existenzen werden zerstört, Verluste eingefahren, Schuldenberge aufgehäuft, Konkurse vorbereitet, Kurzarbeit eingeführt.

In der Schweiz allein Milliardenverluste gegen bis jetzt 420 Verstorbene. Jeder Mensch ist unersetzlich, aber die Opfer, die sich der Staat nun für die Sicherheit unserer Alten abringt, kann er sich nicht leisten. Und Sterben gehört nun mal zum Leben, das können wir nicht aufhalten.

Was das alles mit Investieren zu tun hat? Viel, natürlich. Damit meine ich nicht, dass die Aktienkurse in einem Monat 20 oder 30 Prozent gefallen sind. So eine Korrektur war längst überfällig. Weit mehr hat diese Situation mit der Zukunft zu tun, und die Nachwirkungen des Frühjahrs 2020 werden viele Menschen und viele Firmen noch Jahre spüren. Wenn wir langfristig investieren, müssen wir also in Firmen investieren, welche eine Chance haben, derartige Stress-Situationen zu überleben und idealerweise gestärkt daraus hervorzugehen. Das dürften grosse, international gut vernetzte Firmen sein, welche seit Jahren steigende Dividenden ausbezahlen.

Schauen wir uns mal die Firmen in unserem Echtgeld-Depot an: Nestle, Roche, Swiss Re, Geberit, Zurich Insurance, Apple, 3M, SAP, Givaudan. Ziemlich gut aufgestellt mit dieser Auswahl, finde ich. So hat das Depot in dieser scharfen Korrektur auch nicht stark gelitten: Es liegt, unter Berücksichtigung aller Kosten und Dividenden seit Auflegung noch 7% im Plus. Natürlich ist das viel weniger als vor sechs Wochen, aber wir liegen immer noch im positiven Bereich, und wir haben die Chance, dass die Kurse wieder steigen.

Allerdings ist meine Hoffnung auf bald wieder steigende Kurse klein. Zuerst müssen mal die wirtschaftlichen Schäden unserer Schockstarre überwunden werden. Je länger diese Schockstarre dauert, desto länger wird es dauern, bis die Schäden repariert sind. Mittel- bis langfristig ändert sich aber am Investieren in Aktien nicht viel. Das ist nicht die erste Preiskorrektur, und ganz bestimmt auch nicht die letzte. Es kann sogar mit den Kursen nochmals 30% oder 40% weiter runter gehen, damit es wirklich schmerzt und keine Mensch mehr Aktien kaufen will – bevor es wieder aufwärts geht.

Nun, Schockstarre hin oder mehr, es ist Zeit, wieder etwas zu investieren. Auf dem Konto liegen 3265 Franken. Das reicht exakt für 6 Aktien von Swisscom zum jetzigen Preis von 524 Franken. Verlockend. Stabile Dividende seit vielen Jahren. Gut verankert in der Schweiz, etwas in Italien, 5G-Phantasien, und jetzt, wo alle auf Home Office umsteigen, ist die Firma wohl bestens auf die Zukunft vorbereitet.

Und dann gibt’s seit einiger Zeit noch eine familiäre Beziehung zur Swisscom: Einer unserer Söhne arbeitet in einem Call Center der Swisscom. Also, der Auftrag ist platziert … und ausgeführt.

Neu gibt es auch eine Excel-Auswertung zum Echtgeld-Depot. Damit lässt sich die Gesamt-Performance besser darstellen als mit einem simplen Depotauszug.

Willkommen zurück in der irrealen Realität

02.03.2020

Doch, das Covid-19 konnte den Märkten etwas anhaben - etwas spät haben die Börsen reagiert, dafür umso heftiger. Es ist schon eindrücklich, wie heftig die Kurse fallen können, wenn's denn mal losgeht mit der Bewegung nach unten.

Da ich mich ja, wie im letzten Blogbeitrag erwähnt, persönlich auf eine Korrektur etwas vorbereitet habe, kam der Einbruch weder überraschend noch unwillkommen. Sowas gehört einfach zum Investieren, und wer da seine Nerven nicht behalten kann, sollte sich überlegen, was er/sie beim Investieren falsch macht.

Was mir viel mehr zu denken gibt, und ich glaube, dies ist das wirklich grosse Risiko an den Aktienbörsen, ist die Tatsache, dass sich die Märkte so absolut auf ein Eingreifen der Notenbanken verlassen können. Eine simple Kurskorrektur von zehn, zwölf Prozent? Was ist da dabei? Schon müssen die Leitzinsen gesenkt werden, um die Märkte zu stützen. Sorry, das ist doch lächerlich.

Mir kommt das vor wie eine kranke Vater-Sohn-Beziehung: Der Sohn verhält sich so, dass er als Folge seines Leichtsinns auf die eine oder andere Art öfters mal abstürzt. Jeder Fall schmerzt, und der Vater tut sein Möglichstes, um die Schmerzen zu lindern, den Sohn über seine Verluste hinweg zu trösten. Als Belohnung für den Schmerz gibt's obendrein noch ein neues Auto, oder bezahlte Ferien, oder sonst einen kleinen Bonus. Was der Vater verpasst, ist, seine Rolle als verantwortlicher Elternteil wahrzunehmen und seinem Sohn klarzumachen, woher die Abstürze kommen, dass sie nicht per Zufall entstehen. Dass man sich im Leben auch so verhalten kann, dass man nicht immer wieder abstürzt, und dass man lernen muss, auf den eigenen Beinen zu stehen.

Oh, das ist vielleicht eine altmodische Ansicht. Aber nicht alles, was gerade besser scheint als der altmodische Kram, ist auch tatsächlich besser. Wenn sich die Märkte in ihrem Leichtsinn abhängig machen vom Eingreifen der Notenbanken, kann das Jahre oder Jahrzehnte gut gehen. Irgendwann, vermute ich, wird die Rechnung für dieses kranke Verhalten präsentiert. Und die bezahlen dann alle mit.  

Darf ich auch mal etwas verkaufen?

19.02.2020

Vor Kurzem habe ich alle Portfolios dieser Website aktualisiert, und nur schon bei oberflächlicher Betrachtung der Portfolios fällt auf, dass die Kurse der dort vertretenen Aktien in den letzten Monaten stark gestiegen sind. Auch die Börsenindizes wie SMI und S&P 500, Dow Jones, Nasdaq, DAX, usw stehen alle bei ihren historischen Höchstständen, und fast täglich klettern die Kurse weiter nach oben.

War da mal etwas mit dem COVID19? Gab’s mal eine Gewinnwarnung von Apple? War da irgendwo Krieg? War da mal ein charakterloser Lügner Präsident der USA? Wäre nicht schon seit Jahren mal ein kräftiger Rückschlag an den Börsen überfällig? Alles ein Problem.

Den Börsen kann zurzeit nichts anhaben, und es ist ein überaus schönes Gefühl, wenn man nicht nur virtuelle Portfolios, sondern eines mit echtem Geld managt. Täglich mehr Geld auf dem Konto! Selbst wer nur ein paar Anteile eines ETFs auf den SMI besitzt, kann sich wie ein kleines Finanzgenie vorkommen. Aber die Gewinn sind nicht wirklich, es sind ja nur Buchgewinne, die da im Depot auflaufen.

Ausser den Dividenden, die gelegentlich ausbezahlt werden, realisieren wir in den hier betrachteten Portfolios keine Gewinne, indem wir etwa Aktien verkaufen. Und auch die Dividenden werden wieder in zusätzliche Aktien investiert. Da unsere Portfolios sich auf lange Sicht entwickeln sollen, ist es richtig, wenn wir nicht anfangen, Aktien zu verkaufen, nur weil sie gut gelaufen sind. Es ist ja nicht auszuschliessen, dass die Kurse noch weiter steigen werden – obwohl ich da, ehrlich gesagt, etwas vorsichtig bin.

Nüchtern betrachtet leben wir ja, wie immer, in einer Welt voller gravierender Probleme. Je nach der Brille, welche die Mehrheit der Investoren grad aufhat, sieht man diese Probleme, oder man ignoriert sie, wie das gerade jetzt mehrheitlich der Fall ist. Die Lösung vieler der anstehenden Probleme wird aufgeschoben bis zu jenem Zeitpunkt, wo wir vom Problem selbst überrollt werden. So ist die menschliche Natur, und Investoren sind auch nur Menschen…

Ich weiss nicht, wann jene Phase kommt, in der die Mehrheit der Investoren jene Brille aufhat, welche ihnen messerscharf alle Probleme zeigt. Aber dass diese Phase einmal kommen wird, irgendwann in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren, das ist sicher. Was den Wechsel der Wahrnehmung auslösen wird, weiss ich nicht – es wird etwas sein, das wir jetzt nicht erwarten. Aber was dann ablaufen wird zeigt uns der Rückblick auf frühere Krisen: Die Kurse rasseln in den Keller. 20, 30, 50, 80 Prozent runter? Auch das kann niemand wissen.

Also ist jetzt wohl ein guter Zeitpunkt, um Buchgewinne in einem Depot zu realisieren. Ich habe begonnen, aus unserem privaten Depot gelegentlich Aktien zu verkaufen, wenn der Wert des Depots einen gewissen Betrag übersteigt. So bleibe ich zwar voll investiert, baue aber auch die Cashposition aus. Cash kann man immer gut gebrauchen: Für eine ungeplante Anschaffung, für ein Geschenk an die Nachkommen, oder einfach als Reserve für kommende günstige(re) Gelegenheiten. Ich mache das nicht aus Panik, oder Angst vor bald fallenden Kursen. Aber die Börsen sind seit Anfang 2019 derart gut gelaufen, dass es durchaus Sinn macht, einige der Gewinne zu ernten. Schliesslich investieren wir nicht um des Investierens willen, sondern um in unserem Leben mehr Freiheiten geniessen zu können.    

Wie gesagt, für die Portfolios auf dieser Website gilt das nicht: Hier wird stur nach Plan weiter gekauft, jedenfalls so stur, wie’s für mich passt. Aber verkaufen steht nicht an. Die Portfolios werden auf- und ausgebaut, da gibt es nichts zu verkaufen. 

 

Erneuerbare Energie kann auch für Investoren rentabel sein

06.02.2020

Beim Investieren habe ich mich längst von Erdöl, Erdgas, Kohle und Nuklearenergie verabschiedet. Firmen, welche auf Wind, Sonne, Erdwärme und Wasserkraft setzen, sind mir viel sympathischer. Aber «sympathisch» bedeutet beim Investieren nicht gleich profitabel, oder sinnvoll. Sympathie kann vielleicht ausmachen, welche Sektoren oder welche Firmen wir uns genauer anschauen sollen. 

Also schauen wir uns mal eine Liste von Firmen an, welche im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv sind, und welche – sympathisch – erst noch eine Dividende zahlen. Ich komme immerhin auf zwölf Firmen, und ich bin mir sicher, die Liste ist nicht vollständig. Sondern meine sehr subjektive Auswahl.

Börsengehandelte Firmen mit Fokus auf erneuerbare Energien

Firma

Symbol

Land

Fokus auf

Aktiv seit

Dividenden-rendite

Boralex

Präsentation

BLX.TO

Kanada

Wind, Solar, Wasserkraft, Biomasse

1995

2.3%

Innergex Renewables

Präsentation

INE.TO

Kanada

Wasserkraft, Wind, Solar

1990

3.7%

Northland Power

Präsentation

NPI.TO

Kanada

Wind, Solar, Erdgas 

1987

4.0%

TransAlta Renewables

Präsentation

RNW.TO

Kanada

Wasserkraft, Wind, Solar, Erdgas

2013

5.5%

Atlantica Yield

Präsentation

AY

USA

Solar, Wind, Erdgas,
Wasserentsalzung

2013

4.2%

Ormat Techologies

Präsentation

ORA

USA

Erdwärme

1965

0.5%

Hannon Armstrong Sustainable Infrastructure

Präsentation

HASI

USA

Investition in Firmen und Projekte mit Fokus auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien

1981

3.8%

Edisun Power

Präsentation

ESUN.SW

Schweiz

Solar

1997

0.7%

Gurit Holding

Präsentation

GUR.SW

Schweiz

Zulieferer für Bau von Windgeneratoren

2000

(1835)

1.3%

Ørsted

Präsentation

ORSTED.CO

Dänemark

Betrieb von Offshore-Windparks

2006

1.3%

Vestas Wind Systems

Präsentation

VWS.DE

Dänemark

Bau und Unterhalt von Windgeneratoren

1979

1.1%

Infigen Energy

Präsentation

IFN.AX

Australien

Wind, Gas-Backup

2003

2.5%

 

Interessanterweise finden sich hier vier kanadische Firmen. Auch bemerkenswert: aus Dänemark zwei enorm wichtige Firmen. Die Schweiz? Zwei kleine Firmen.

Bei vier Firmen habe ich vermerkt, dass sie auch auf Erdgas-Kraftwerke setzen. Dabei habe ich eingangs geschrieben, dass ich mich längst von fossiler Energie verabschiedet habe. Wie soll das zugehen?

Alle vier Firmen verwenden diese Technologie als Fallback, wenn Sonne oder Wind streiken. Der grösste Teil der von diesen Firmen produzierten Energie stammt aus erneuerbaren Energien. Auffallend ist auch, dass diese Firmen fast nur noch neue Projekte mit Erneuerbaren in der Pipeline haben. Also, hier zeige ich mich etwas kompromissbereit. Wen das stört, der hält sich an die restlichen acht Firmen.

So weit, so gut. Hätte sich eine Investition vor fünf Jahren in diese Firmen gelohnt? Obwohl mir die Dividenden wichtig sind, bin ich jetzt einfach mal zu bequem, mir alle Zahlen zusammenzusuchen. Ich schaue mir einzig die Entwicklung der Kurse an in den letzten fünf Jahren an, um die Frage zu beantworten. Die Dividenden wären dann einfach noch der Bonus… 

Kurse in Lokalwährung

Firma

Symbol

Kurs
1. März 2015

Kurs
5. Februar 2020

Kursgewinn

KGV

zurück/vorwärts

Boralex

BLX.TO

13.28

28.08

111%

xx/85

Innergex Renewables

INE.TO

11.20

18.90

69%

91/72

Northland Power

NPI.TO

17.31

28.89

67%

18/15

TransAlta Renewables

RNW.TO

12.55

16.97

35%

20/21

Atlantica Yield

AY

32.78

28.73

-12%

xx/26

Ormat Techologies

ORA

38.02

86.24

127%

46/39

Hannon Armstrong

HASI

18.28

35.15

92%

50/25

Edisun Power

ESUN.SW

30.37

134.00

341%

21/xx

Gurit Holding

GUR.SW

425.25

1530.00

260%

35/xx

Ørsted

ORSTED.CO

(*)235.00

711.80

203%

46/44

Vestas Wind Systems

VWS.CO

287.90

717.80

149%

30/24

Infigen Energy

IFN.AX

0.27

6.95

157%

16/17

(*) Kurs vom 1.6.2016. Die Aktien wurden vorher unter dem Namen Dong Energy gehandelt. 

Durchschnittlich haben diese Aktien in fünf Jahren in Lokalwährungen 133% zugelegt. Dann kämen noch einige Dividenden dazu. Jährlich ergab sich für ein Portfolio aus diesen Aktien ein Kursgewinn in der Grössenordnung von 18%. 18 Prozent pro Jahr: davon träumen die meisten Investoren. Und dann  kamen noch die Dividenden hinzu.

Gut, in die Vergangenheit lässt sich nicht mehr investieren. Dafür in die Zukunft. Frage dich also selbst, lieber Leser: 

  • Was hat sich global in den letzten fünf Jahren geändert in Sachen erneuerbare Energien? 
  • Werden Menschen, Firmen, Regierungen weiterhin motiviert sein, mehr und mehr erneuerbare Energien einzusetzen? Eher mehr, eher weniger?
  • Welche besseren Alternativen zu erneuerbaren Energien gibt es?
  • Was passiert mit Nuklearenergie und Erdöl, wenn Energie aus Wind und Sonne billiger ist?
  • Was muss noch geschehen, bis ich auch beim Investieren auf erneuerbare Energie setze?

Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Es wäre schön, wenn man nun einfach eine nach der anderen diese Firmen kaufen könnte, um in Zukunft von weiteren Gewinnen profitieren zu können. Leider ist das, wie ein Blick in die Spalte KGV zeigt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einiger dieser Aktien bewegt sich in schwindelerregender Höhe.

Für einen möglichen Gewinn von einem kanadischem Dollar (CAD) muss ich z.B. im Fall von Innergex 72 CAD hinblättern. Wenn man auf dieser Seite genauer hinschaut, sieht man auch, dass der Gewinn pro Aktie im letzten Jahr 0.20 CAD betrug, während die Ausschüttung pro Aktie bei 0.70 CAD lag. Wie auch immer die Buchhaltung gemacht wird – irgendwann muss die Dividende pro Aktie unter den Gewinn pro Aktie zu liegen kommen. Sonst ist das Ganze so wenig nachhaltig wie ein Kohlekraftwerk…

Auch in einem überbewerteten Aktienmarkt, wie wir ihn derzeit (Februar 2020) haben, sollten wir nicht zu viel bezahlen für die Aktie von Firmen, in die wir gerne investieren möchten, und die uns «sympathisch» sind. 

An dieser Stelle habe ich beim Schreiben eine Pause eingelegt und mich mit anderen Dingen beschäftigt. Zurück am Computer lese ich dann die folgende Nachricht. Gutes Timing, muss ich sagen. Fragt sich nur: von mir, oder von Hydro-Québec? Anyway:

Hydro-Québec to take 20% stake in Innergex Renewable

(Reuters)

February 6, 2020

(Reuters) - Innergex Renewable Energy Inc <INE.TO> said on Thursday Hydro-Québec, one of the world's largest hydropower producers, will invest about C$661 million ($497 million) for a nearly 20% stake.

 

The two companies plan to invest in wind and solar projects with battery storage or transmission, distributed generation, off-grid renewable energy networks, and other sectors.

Hydro-Québec will buy 34.6 million common shares of Innergex at C$19.08 per share in a private placement. Shares of Innergex rose 8.5% in morning trade to C$20.50.

Under the deal terms, Hydro-Québec has initially committed $500 million to develop power projects with Innergex.

Innergex expects to use about $50 million from the private placement to fund the development of its 200 MW Hillcrest solar photovoltaic project in Brown County, Ohio.

Hydro-Québec will nominate two candidates to its Innergex board as long as it owns at least 15% of the outstanding Innergex common shares, Innergex said.

 

Also, einer der grössten Wasserkraft-Produzenten Kanadas kauft sich 20% von Innergex zum Preis von 19.08 CAD pro Aktie. Offensichtlich finden hier Profis, welche das Energiegeschäft besser kennen als es je ein Aussenstehender wie ich es kennen kann den Preis ganz in Ordnung. Das sollte ja, trotz des hohen KGVs, Mut machen.

 

Ohne übertriebene Vorsicht haben darum weitere Käufer heute den Kurs von Innergex auf 21.05 CAD hochgetrieben. 11.3% höher als gestern. Mir soll’s recht sein. Meine paar Innergex-Aktien haben mir heute grosse Freude gemacht.

David Fish, Justin Law und ihre Liste der Dividenden-Champions

09.07.2019

(Diese ist die aktuelle Überarbeitung eines Artikels vom September 2014)

 

Die „Homepage“ www.dripinvesting.org  kommt optisch daher wie ein Relikt aus der Zeit vor der Dotcom-Blase, als das Internet noch jung war. Drum schnell weitergeklickt auf die Seite, welche uns interessiert: Info/Tools/Forms.

David Fish war ein US-amerikanischer Fondsmanager und Spezialist für Aktien, welche langjährig Dividenden ausschütten. Und, vor allem für individuelle Investoren wichtig, er pflegte eine umfangreiche Excel-Arbeitsmappe mit vielen Informationen über die Dividenden-Champions auf dem amerikanischen Aktienmarkt. Seit seinem Tod im Frühjahr 2018 wird die Arbeit von Justin Law weitergeführt.

Die Excel-Arbeitsmappe enthält Listen über drei Arten von Firmen:  

  • Challengers (Herausforderer): Firmen, welche die Dividenden die letzten 5 bis 9 Jahre jährlich erhöht haben. Aktuell 517 Aktien
  • Contenders (Rivalen): Firmen, welche die letzten 10 bis 24 Jahre jährlich die Dividenden erhöht haben. Aktuell 233 Firmen
  • Champions: Jene Firmen, welche in den letzten 25 Jahren jährlich die Dividenden erhöht haben. Das sind aktuell 136Firmen.

Die jeweils aktuelle Version der Datei können Sie hier herunterladen: https://www.dripinvesting.org/tools/tools.asp

Halten wir uns das mal vor Augen, was das bedeutet, wenn eine Firma 25 oder mehr Jahre hintereinander die Dividenden erhöht. Was kann man über eine solche Firma sagen? Einige Punkte: 

  • Die Firma schafft es, über einen langen Zeitraum zu wachsen
  • Die Firma arbeitet über einen langen Zeitraum profitabel
  • Das Management bekennt sich zu einer aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik.
  • Die Firma hat lange Erfahrung im Umgang mit der Konkurrenz, mit Krisen, Kriegen, Depressionen, Rezessionen
  • Die Firma hat es erfolgreich geschafft, sich an veränderte Umfelder anzupassen und innovativ oder mindestens attraktiv zu bleiben.
  • Das Management einer solchen Firma wird alles unternehmen, um zu verhindern, dass die Serie von Dividendenerhöhungen abbricht – es braucht Jahrzehnte harter Arbeit, um diesen Status wieder aufzubauen.

Wenn wir uns einige Namen jener Firmen mit der längsten Geschichte von stetig steigenden Dividenden anschauen, treffen wir viele Bekannte an: 

Firma
Symbol
Jahre mit Dividenden- Erhöhung
Industrie
Aktuelle Rendite
Procter & Gamble
PG
65
Haushaltsprodukte
2.72%
3M
MMM
61
Konglomerat
3.32%
Coca-Cola
KO
57
Nicht-alkoholische Getränke
3.13%
Johnson & Johnson
JNJ
57
Pharma/Haushaltsprod.
2.73%
Colgate-Palmolive
CL
56
Kosmetik
2.40
Stanley Black & Decker
SWK
52
Werkzeuge/Sicherheit
1.83
VF Corporation
VFC
46
Bekleidung
2.34
AT&T
T
35
Telekom
6.09

 

Die Aufstellung zeigt, dass es Firmen aus verschiedensten Branchen in diesen Kreis der langfristig Erfolgreichen geschafft haben. Unter den weiteren, zum Teil kaum bekannten Namen findet man auch Versicherungen (Aflac, 31 Jahre), Banken (Commerce Bancshares, 46! Jahre), REITs (FRT, 47 Jahre), Restaurantketten (McDonald’s, 38 Jahre) und Firmen aus allen möglichen Branchen. 

Gedanken zum Buch: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs von Gerd Kommer

04.07.2019

Von Zeit zu Zeit stolpert man über ein wirklich gutes Buch. In diesem Frühjahr bin ich auf so eines gestossen: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs.

Der Titel fasst ziemlich genau zusammen, was ich als Anleger NICHT mache: In Indexfonds und ETFs investieren. Und das mit dem „souverän“ stimmt bei mir ja wohl auch nicht… Vielleicht gerade weil ich den Titel als eine kleine Provokation empfand, wurde irgendwann meine Neugier geweckt. Ich las zuerst die Leseprobe, welche mir Kindle anbot, merkte aber schnell, dass hier Handfestes daherkommt und kaufte mir den Titel.

Aus dem Klappentext: Gerd Kommer überzeugt immer mehr Sparer von den Vorteilen einer Geldanlage in Indexfonds und ETFs. Deshalb hat er sein Standardwerk vollständig aktualisiert und um eine Website zum Buch erweitert. Leser erhalten also nicht nur den allerneuesten Stand zu den besten Anlagemöglichkeiten, sondern auch exklusiven Zugriff auf ein Tool, das ihnen dabei hilft, die Empfehlungen auch umzusetzen. Einfacher geht passives Investieren nun wirklich nicht!

Dr. Gerd Kommer, LL.M., leitet ein Finanzberatungsunternehmen für Privatanleger in München. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, Steuerrecht, Politikwissenschaft und Germanistik in Deutschland, in den USA und in Liechtenstein. Kommer verbrachte 17 Jahre im europäischen und außereuropäischen Ausland. Dies ist die fünfte, vollständig überarbeitete Neuauflage von Souverän Investieren. Die erste Auflage erschien 2002. Im Jahr 2016 gewann das Buch den Deutschen Finanzbuchpreis.

Ich mag dem Autor den Finanzbuchpreis gerne gönnen, er hat ihn meiner Meinung nach absolut verdient. Aus dem deutschen Sprachraum ist es das Beste, was ich zum Thema Investieren kenne – auch wenn ich als aktiver Anleger mit dem Autor in einigen Punkten ganz und gar nicht einverstanden bin.

Das Buch ist meist einfach zu lesen, über manche Strecken etwas gar trocken, an anderen Orten spannend und gespickt mit Informationen. Nicht alle 416 Seiten müssen unbedingt gelesen werden – gegen Ende des Buches habe ich das Interesse an den Ausführungen völlig verloren und nur noch flüchtig gelesen. Vor allem die Diskussion um Factor-Investing… Na ja, ich konnte der nichts abgewinnen. Sie scheint mir dem Grundgedanken des Buches völlig zu widersprechen.

Aber die ersten etwa 75% des Buches sind spitze. Es legt einleuchtend die vielen Vorteile des passiven Investierens mit Indexfonds und ETFs gegenüber aktivem Stockpicking dar – auch wenn es am Ende der Autor nicht geschafft hat, dass ich meine bisher durchaus erfolgreiche aktive Anlagestrategie wesentlich geändert habe.